Freitag, 20. Februar 2009

Neues aus Santiago

Eine Sache kurz vor ab. Ich habe endlich meine gesamte Fotogalerie aktualisiert. Ihr findet in vielen Alben neue Fotos, außerdem viele neue Alben über die zeit mit meiner Familie, die Reise durch Bolivien und Peru und es gibt nun auch ein Album namens "Chillen in Santiago", in das ich immer wieder neue Fotos aus meinem alltäglichen Leben oder von Feiern hochladen werde. So z.B. auch das folgende Bild, was ich einfach mal als das Bild der Woche kröne, da es weniger fotografisch hochwertig, dafür aber einfach cool ist. Von links nach rechts: Ben, Benni, ich und Bruce.

Aber nun zurück bzw. weiter in der Geschichte, ich bin schließlich in Peru nicht verendet.

Ja, da war ich wieder. Um 5 Uhr morgens saßen bruce und ich am Busterminal. Ein sehr seltsamer Moment. Das einzige Leben erzeugt von aberwitzig vielen Reisenden, die am Eingang zur Metro deren Öffnung um 6Uhr erwarteten wie Jugendliche ein Popkonzert. Alle bepackt mit großen Taschen, unterm Arm eine Zeitung und von Müdigkeit gezeichneten Gesichtern. Ich hatte das komische Gefühl, eine gewisse Verbindung zwischen all diesen Leuten zu spühren, die da so früh am morgen am Busbahnhof warteten. Als säßen wir alle im selben Boot, wie man so sagt. Ich weiß nicht, waurm ich das in den Blog schreibe, aber es fiel mir auf.
Ja, angekommen zu Hause beschlossen Bruce und ich, nicht mehr zu schlafen, sondern diesen Tag mit der restlichen Welt zu beginnen. Schnell trieb es uns dann in den nächsten Supermarkt, da wir natürlich nichts essbares im Haus hatten, und kauften einen wahnsinnigen Einkauf bestehend aus so ungefähr allem Essbaren, das der Supermarkt zu bieten hatte. Wir hatten ja schließlich eine ganze Woche Urlaub vor uns und wir hatten uns darauf geeinigt, diese so entspannt wie möglich zu verbringen und auch meine verlorenen Pfunde wollten wieder angefressen werden.
Das Gefühl wieder in Santiago zu sein war ein durch und durch beeindruckendes. Es war wirklich wie nach Hause zu kommen. Ich fühlte mich so wohl, wie ich so durch die Straßen von La Florida ging, durch den Supermarkt und in er Menschen gefüllten Shopping Mall. Es tat gut, den chilenischen Akzent zu hören und irgendwie sahen alle Leute so bekannt, fast wie Freunde aus. Dieses Gefühl war einfach der Wahnsinn. Ich hüpfte förmlich durch die chilenische Sonne und am Ende der Woche hörte ich mich einen Satz zu Bruce sagen, den ich vor ein paar Monaten mir nicht zu sagen hätte vorstellen können: "Wenn ich nicht all die Leute aus Deutschland hätte, die ich so lange nicht gesehen hab, würde ich hier bleiben. Santiago gefällt mir momentan besser als Deutschland." Wow!
Voller Euphorie und erfüllt von der Begeisterung über dieses Gefühl der Heimat und des Glücks tröpfelten die Tage dahin und Bruce und ich hielten unser Wort. Der normale Tagesablauf bestand weitesgehend aus drei Dingen: Essen, Film schauen und schlafen. So ein Urlaub der etwas weniger anstrengenden Art war genau das, was ich brauchte, denn mir ging es von einem Tag auf den anderen einfach wieder gut. Ich glaube, irgendwo war in der Krankheit auch eine Sehnsucht nach Chile, das ich ja nun für fast einen Monat verlassen hatte. Einen Nachmittag gingen wir nach Acógeme, um uns mit den Leuten aus dem Team zu treffen. In einem kurzen Gespräch mit Tía Ilse fragte sie mich, ob sich die Reise gelohnt hat und ob es die ganze Geschichte mit der Krankheit wert war. Und die Antwort kam sofort und ich hatte das Gefühl, sie gar nicht wirklich bedacht zu haben, sie lag mir einfach auf der Zunge: "Ja, aber auf eine sehr seltsame Weise. Machu Picchu und all das, was wir gesehen haben, war wirklich beeindruckend und toll, aber ich merke mit jedem Tag hier, dass das Wichtigste, das mir die Reise gegeben hat, etwas anderes ist. Ich weiß jetzt, wie viel mir Chile wirklich bedeutet. Ich dachte am Anfang "Chile, Bolivien, Peru, Argentinien - so groß wird der Unterschied wahrscheinlich nicht sein", aber ich habe mich getäuscht. Ich könnte in Bolivien nicht so glücklich werden, wie ich es hier bin. Ich habe mich darüber hinaus schon so sehr hier eingelebt, dass mir klar geworden ist, wie sehr Santiago mein zu Hause ist. Und für das Gefühl, mit dem ich momentan hier lebe, hat sich die Reise allemal gelohnt!".
Etwas anderes, worüber ich in Arequipa mit Bruce gesprochen hatte, ist das Heimweh. In Chile habe ich einfach kein oder kaum Heimweh, da ich hier jetzt hier mein Heim habe. In Bolivien und Peru jedoch war das nicht der Fall und daher fingen wir ganz schnell an, viel über Deutschland zu reden, nachzudenken und Bruce und ich hatten beide regelmäßig seltsame Träume über unser zu Hause in Deutschland. Nun ja, ich bin auf jeden Fall froh, nun wirklich in Chile ein zweites zu Hause gefunden zu haben.
Mit der neuen Woche begann dann Bruce und mein Arbeitsalltag wieder. Wobei, wenn man ehrlich ist, begann etwas ganz anderes. Bruce und ich arbeiten ja nun zwei WOchen als Tagwächter in Acógeme. Das bedeutet, dass wir ganz alleine in dem Haus sind, einige Aufgaben wie Streichen oder aufräumen haben, ans Telefon oder an die Tür gehen, aber eigentlich den gesamten Tag nur durch unsere Anwesenheit arbeiten. Das bedeutet bei Bruce und mir Fortsetzen dessen, was wir vorher gemacht haben - Relaxen! Mit 18 neuen Filmen vom Markt und einem tollen Speiseplan für die kommende erste Woche ging es am Montag los. Es war einfach irre: Ankommen, Zeitung lesen, etwas arbeiten (nicht zu viel!), im Internet surfen, essen kochen, essen, Film schauen, ausgedehnte Siesta, aufräumen und alles wieder abschließen und um 18Uhr ciao und nach Hause. Tja, so lässt es sich arbeiten. Diesen Alltag haben wir auch relativ gleichbleibend die gesamte Woche durchgezogen. Marcial kam mit seinem Sohn einmal vorbei und Nico schaute auch mal vorbei. Am Donnerstag lud uns dann Tobi zu sich ein auf einen gemütlichen Männerabend mit Bier, Pizza, Playstation und Uno-Karten - so mag ich das.
Neben Ben, Bruce, Tobi und mir war auch noch ein ganz kleiner Mann mit von der Partie. Tobis Sohn, der langsam echt groß wird, machte seine ersten Schritte in Richtung der gute Deutsche in Augen der Chilenen - mit Bier in der Hand. Ich mag diese Fotosequenz auf Grund der Gesichtsausdrücke des kleinen Martin sehr gerne.

Am Freitag Abend kam uns dann Benni besuchen und brachte die Fotos seiner weiteren Reise mit. So kam ich auch an einige Fotos, die ich mit seiner Kamera gemacht hatte oder auf denen ich drauf bin. Ich habe sie in meinem Perualbum. Wir verbrachten einen ziemlich netten aber sehr langen Abend, so dass ich nach gerade einmal vier Stunden Schlaf doch etwas verschlafen war, als Adrian mich um 10Uhr anrief und uns alle zu einem großen Asado (chilenischem Grillen) in das Haus von ihm und Mimi einlud.
So gingen Ben, Bruce, Benedikt, Tobias mit Freundin María José und Sohn und ich natürlich so gegen halb zwei zu Mimi und Ian und es konnte losgehen.

Nach dem Abend vorher, den wir größtenteils in einer nahegelegenen Disco verbracht hatten, hatten wir entsprechende Startschwierigkeiten, als wir direkt mit Bier und Wein begrüßt wurden. Mit der Zeit jedoch lösten sich diese und nach, wie gewohnt, sehr gutem Essen ging es für uns dann alle in den Pool.
Selbst der kleine Martin durfte mal schnuppern und plantschte ein wenig mit den kleinen, dicken Beinchen im kühlen Nass.
Irgendwann holte Ian ein deutsches Obstwasser heraus und so musste natürlich angestoßen werden, auch, wenn der gute Kranz nicht so wirklich mein Fall ist, so ist doch ein schönes Bild der deutschen Jungs in Chile daraus geworden.
HIer ist noch ein schönes Bild von María José mit ihrem und Tobis kleinen Martin Rafael. Ein wirlich zu goldiges Kind, man kann es einfach nicht anders sagen.

Etwas später am Abend kamen dann noch Eric, Hugo und Gige vorbei und der Abend ging schnell wieder in Rum-Cola über.
Gut gestärkt, glücklich und zufrieden ging es dann am selben Abend in eine Disco in La Florida, die wir bisher nie besucht hatten und die sich als wirklich gut heraus stellte, uns jedoch einen weiteren etwas verspäteten Tagesanbruch am Sonntag Morgen verschaffte. Ben, Bruce und ich verbrachten den Tag löblicherweise damit, die Wohnung wieder einmal von oben bis unten aufzuräumen und zu putzen. Schließlich kommt am freitag schon ei Freund von Bruce zu Besuch und nächsten Dienstag, also heute in einer Woche stehen dann auch schon Janek und Minja vor der Tür. Und da freu ich mich schon so drauf. Daher musste die Wohnung wieder einmal auf Vordermann gebracht werden und der Sonntag wurde mit einer kleinen Musiksession und einem sehr guten Essen abgerundet. Ein gelungenes Wochenende.

So, aber bevor ich jetzt aufhöre, gibt es auch noch Neues aus Deutschland, bzw. aus meinem guten, alten Bielefeld. Denn heute hat meine Mama Geburtstag, was auch anlass war, den Eintrag heute zu veröffentlichen, da ich in ihr den größten Fan meines Blogs glaube. Deshalb gibt es auch keinen reinen Geburtstagsblog, sondern auch ein bisschen ganz normales Geschichtenerzählen von mir. Vor ziemlich genau fünf Stunden hat also ein neues Lebensjahr angebrochen und dazu sagt dir dein liebe Söhnchen natürlich auf gutem chilenisch "Feliz cumple, mamita! T kiero muxo" oder auch noch mal ganz klassisch auf deutsch: Alles, alles Liebe zum Geburtstag. Schade, dass das mit dem Skypen nicht geklappt hat. Freue mich auf das Telefonieren morgen. Ich habe im Stile eines guten Freundes und alten Deutsch-Chilenen ein kleines Foto für dich geschossen. Herzlichen Glückwunsch und feiert schön für mich mit!

Bruce und Ben, die du ja oben auf den Fotos schon zur Genüge gesehen hast, lassen ganz herzlich grüße und Ian und Mimi auch, wenn sie von deinem Geburtstag auch nichts wussten, als sie mir am Wochenende die Grüße mitgaben.

So, ihr Freunde meines Blogs, meiner Fotos oder gelangweilten "Na gut, dann les ich halt so lange in Daniels Blog irgendwas"-Leute, ich werde mich dann auch mal ins Bett begeben. Morgen wird einer der weniger ruhigen Tage, denn wir müssen ganz viel Streichen und uns schon für Fahrkarten Viña del Mar kaufen, denn am Mittwoch geht es wirklich wahr aufs große Open-Air Santanakonzert. Juhu! Aber davon werdet ihr zur rechten Zeit schon noch mehr erfahren.


Also bis dann ihr alle
Viele Grüße aus Chile
Daniel