Samstag, 6. März 2010

Reisetagebuch: Norden Chiles Teil 2

Reise durch den Norden Chiles Teil 2
Erster Halt – Antofagasta

Ich kann nicht mehr sagen, um wie viel Uhr ich aufwachte. Es war noch relativ früh und trotz eines nur mittelmässigen Schlafes fühlte ich mich fit für den ersten Tag meiner einwöchigen Reise. Ausserdem hatte ich das Bedürfnis aus diesem Zimmer, aus diesem Haus heraus zu kommen. Ich schnappte mir daher meinen Rucksack, den ich selbstverständlicher Weise nicht ausgepackt hatte und machte mich auf. Der Busfahrer war schon auf und bot mir einen Kaffee und ein kleines Frühstück an, ausserdem würde er mich ins Zentrum fahren, was er dann auch tat. Ich musste mir noch seine Handynummer notieren und sagen, ich würde bei Bedarf auf in zurück kommen. Und dann endlich war ich frei zu tun und zu lassen, was ich wollte. Und das war als erstes Antofagasta kennenlernen.

Der Reiseführer machte deutlich, dass es nicht allzu viel zu sehen gebe und zitierte Otto Bürger mit dem Satz “Von Antofagasta kann man sagen, dass ihm jegliche Schönheit mangelt”, den sie dann jedoch nicht bestätigen. Ganz so schrecklich schien es zunächst auch nicht. Die Küste entlang ziet sich eine Strasse an der man hier und da altertümliche Gebäude findet, denen man das ein oder andere Fotomotiv entlocken kann.

Nach aber einer guten Stunde stellte sich heraus, dass es wirklich nicht viel gab, das mich an dieser Stadt zu reizen vermochte. Je weiter man sich in die Stadt, also weg vonder Küste den Berg hinauf, bewegt, desto schneller scheint jegliche Schönheitspotential im heissen Sand der Strassen zu versiegen. Heruntergekommene Häuser, Müll an den Strassenrändern und ausser dem zentralen Platz mit seiner Miniaturausgabe des Big Bens nichts Sehenswertes.

So beschloss ich noch am selben Tag weiterzureisen, denn Zeit war das, wovon ich am wenigsten hatte, genauso wenig wie Ahnung bezüglich der Reisedauern der Busse in andere Städte. Meine Route hatte ich jedoch jetzt endgültig geplant. Es sollte über das Dorf Calama nach San Pedro de Atacama gehen, dort wollte ich die chilenische Wüste mit all ihren Sehenswürdigkeiten kennenlernen und dann weiter nach Iquique, um den letzten Teil meines Urlaubs am Strand zu verbringen.
Ich kaufte also ein Busticket und wartete am Terminal. Buch und Bob Marleys No woman no cry. Eine knappe halbe Stunde vor der Abfahrt bemerkte ich, dass immer noch kein Bus angekommen war und ich auch keine möglichen Reisegäste sah. Ich fühlte mich an die Flughafensituation erinnert und ging daher zum Schlater, um zu fragen. Keine Sekunde zu spät, wie sich herausstellte, denn die Frau schaute mich erschrocken an un sagte, der Bus fahre vom neuen Terminal aus und das sei am anderen Ende der Stadt. Mit einem Blick auf die Uhr sagte sie „Ich glaube, das werden Sie nicht mehr schaffen.“. Glücklicherweise machte mir eine wartende Frau Mut und zeigte auf einen vorbeifahrenden Bus, der mich angeblich direkt zum Terminal bringen sollte. Ich stieg also ein, unterhielt mich kurz mit meinem Sitznachbarn, der mir das ein oder andere Hostal in Antofagasta wärmstens empfahl und auch San Pedro gut zu kennen behauptete. Ich notierte das ein oder andere und stieg dann am grossen neuen Busbahnhof aus. Ein kurzer Rolltreppensprint, orientieren, finden und dann war es geschafft, ich sass im Bus.
Draussen zog die eintönige Sandlandschaft ins Endlose und ich nutzte die Zeit für ein wenig Schlaf.

In Calama kaufte ich dann ein Ticket nach San Pedro und nahm den zwei Stunden verspäteten Bus um 20:30. Es wurde langsam dunkel, die Landshaft draussen änderte sich nicht. Kurzes Nickerchen und dann rollten wir auch schon auf den Hof des kleinen Busterminals in San Pedro de Atacama. Es war schon später Abend als ich mit meinem Rucksack bepackt auf die Strasse hinaustrat und ich fühlte mich wie in Antofagasta. Wohin sollte ich gehen? Alle anderen Reisenden schienen weider genaue Ziele zu haben. Kurze Smalltalks mit Touristen und dann stand ich im Zentrum San Pedros und war ein wenig schlauer geworden, denn nach den Touris zu urteilen war ich hoffnungslos verloren und das sollte sich auch erst einmal bestätigen. Ich ging durch die ca. fünf Strassen des winzigen Dorfs, das zu drei Vierteln aus touristenagenturen, Hotels und Restaurants zu bestehen schien und klopfte wie Joseph und Maria an jede Tür, um immer wieder zu hören, dass alles ausgebucht sei. Gestresst, hungrig und müde rief ich Carla an und erzählte ihr von meinem Schicksal, doch was sollte sie von so weit weg schon tun? Um am nächsten Morgen aber direkt mit Prorgamm einzusteigen bestellte ich eine Tour, die um 4 Uhr beginnen sollte und fragte, ob man zur Not auch mit Reiserucksack antreten könne. Die Tour war also bestellt, ich aber alles mehr als geschafft. Es war scheinbar doch nicht so einfach, wie ich mir es vorgestellt hatte. Nun schlossen dann auch die ersten Läden und mein Hunger lies mir keine Ruhe mehr. Vier Stunden blieben mir noch bis zum Beginn der ersten Tour und ich steuerte geradewegs auf eine Nacht unter freiem Himmel zu. Ich setzte mich an eine Strassenecke und dachte an zu Hause. Ich war nunmal alleine.

(Fortsetzung folgt...)

1 Kommentare:

Bruce hat gesagt…

Das wär eine Reise genau nach meinem Geschmack gewesen! ;) Erinnert mich ein bisschen an eine andere in die entgegengesetzte Richtung...